01.02.18

Aktuelles Stichtwort: Pfadabhängigkeiten – Freud und Leid des Managements

Strategische Kurzsichtigkeit, inflexible Prozesse oder irreversible Strukturen führen von gescheiterten Akquisitionen bis hin zum Untergang ganzer Unternehmen (z.B. Blockbuster, Kodak). Ein Erklärungsmodell für diese Phänomene ist „Pfadabhängigkeit“, ein Prozess der Einengung von Entscheidungs- und Handlungsspielräumen im Zeitverlauf. Grund für diese Einengung sind positive Rückkopplungsschleifen – angetrieben beispielsweise durch Lerneffekte und Erfahrung –, die einmal gewählte Optionen attraktiver erscheinen lassen als radikal neue Alternativen, die über die Zeit gänzlich vom Radar verschwinden. Unternehmen entscheiden sich beispielsweise bei der Auswahl von Netzwerkpartnern immer wieder für die Zusammenarbeit mit bestehenden Partnern, um Such- und Koordinationskosten zu minimieren. Diese Auswahl passiert im unternehmerischen Alltag oft unbewusst („weil wir es immer so gemacht haben“) und führt unter stabilen Bedingungen meist zu gewünschten Effekten wie Effizienz & Rentabilität. Ändern sich jedoch Umweltbedingungen, ist ein Hinterfragen dieser Entscheidungs- und Handlungsmuster angesagt. Das, was in der Vergangenheit zu Erfolg geführt hat, kann für die Zukunft der größte Hemmschuh sein. Daher sollten Manager Pfadabhängigkeiten und ihre Treiber identifizieren, von Zeit zu Zeit im Lichte der aktuellen Situation hinterfragen und gegebenenfalls entgegenwirken. Pfadentwicklungen können so aktiv gemanagt werden, wodurch Pfadabhängigkeiten Freunde bleiben und man nicht vom Messer des Feindes im Rücken überrascht wird.

Von Dr.in Irina Koprax
Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lektorin
Institut für Strategisches Management, Marketing & Tourismus, Universität Innsbruck,
Institut für Arbeitsforschung und Arbeitspolitik an der Johannes Kepler Universität Linz



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