29.10.17

Aktuelles Stichtwort: Neues Arbeitsrecht erleichtert Investitionen in Frankreich

Das französische Arbeitsrecht war bis vor Kurzem ein wesentliches Investitionshindernis für Unternehmer. Das zeigte sich vor allem, wenn Firmen in Schwierigkeiten gerieten: Die Kosten und Auflagen bei betriebsbedingter Entlassung von Mitarbeitern waren nur schwer final kalkulierbar, zudem war ein Belegschaftsabbau in internationalen Konzerntöchtern unzulässig, wenn das Mutterunternehmen „nur“ regional Probleme hatte. Dementsprechend zurückhaltend waren Unternehmer, wenn es darum ging, Arbeitsplätze zu schaffen – einer der Gründe, warum Frankreich seit Jahren mit hoher Arbeitslosigkeit kämpft. Natürlich überlegt man als Investor angesichts solcher Bedingungen auch sehr genau, ob etwa die Übernahme eines angeschlagenen Unternehmens am Ende wirtschaftlich sinnvoll ist.

Genau hier schafft die aktuelle Reform des französischen Arbeitsrechts Anreize: So ist neuerdings die Entschädigung gedeckelt, die einem Entlassenen zusteht, wenn die Gerichte die Entlassungsgründe im Nachhinein doch nicht akzeptieren. Die Richter konnten den Betrag vor der Reform nach freiem Ermessen festsetzen. Tochterunternehmen internationaler Konzerne dürfen betriebsbedingte Entlassungen nun mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten allein in Frankreich begründen, unabhängig davon, wie es der Muttergesellschaft in der betreffenden Sparte weltweit geht. Die Reform erleichtert es vielen Firmen in Frankreich überdies, mit ihren Mitarbeitern auf Betriebsebene Lohnkonzepte auszuhandeln, die sich besser an der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens ausrichten lassen. Bislang waren Unternehmen fast ausnahmslos an landesweite Tarifverträge gebunden.

Von Sandra Hundsdörfer

Partnerin für französisches Arbeits- und Handelsrecht

GGV Avocats à la Cour Rechtsanwälte Paris



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