Biotechunternehmen werden teuer gehandelt

In der Pharmabranche ist das Übernahmefieber ausgebrochen. Gerade erst machten Ende Januar dieses Jahres zwei große Biotech-Deals von sich reden: Die französische Sanofi kündigte an, den US-Hämophilie-Experten Bioverativ für 11,6 Mrd. USD zu kaufen. Der US-amerikanische Biotechkonzern Celgene schlug bei Juno Therapeutics zu und übernahm für 9 Mrd. USD über 90% an dem Krebs spezialisten. Zuvor hielt Celgene bereits ein Paket von 9,7% an Juno und bot den Aktionären nun 87 USD je Aktie – ein Aufschlag von mehr als 28% zum Schlusskurs vor Deal-Bekanntgabe.

Bereits im letzten Jahr waren Biotechunternehmen begehrte Übernahmeobjekte. Und mit 54% Aufschlag auf den Börsenkurs einen Monat vor Übernahme-Bekanntgabe erzielten sie schon in den ersten neun Monaten 2017 weltweit die höchsten Übernahmeprämien – noch klar über dem bereits beachtlichen Fünfjahresdurchschnitt von 45%. Das er gab eine Analyse unserer Healthcare-Spezialisten, die 1.040 weltweite M&A-Transaktionen untersucht hatten, die in den ersten neun Monaten 2017 im Healthcare-Bereich stattfanden: 132 Zukäufe von Biotechunternehmen, 219 von Pharmafirmen und 689 im Bereich Medizintechnik. Mit vergleichsweise niedrigen 21% Aufpreis auf den jeweiligen Börsenkurs einen Monat vor Bekanntgabe der Übernahmepläne waren Pharma-Unternehmen um 33 Prozentpunkte preiswerter zu haben als Biotechfirmen. Für Medizintechnikunternehmen indes zahlten die Käufer ebenfalls deutliche Preisaufschläge von 44%.

Zwar gab es 2017 nur wenige große Deals und Übernahmen wie die der Schweizer Actelion und der US-amerikanischen Kite waren Ausnahmen, aber es gab eine Vielzahl kleinerer Transaktionen und die Zukäufe werden zunehmend teurer. Das ist keineswegs überraschend, denn Biotechunternehmen bekommen zunehmend Zulassungen für Medikamentenkandidaten, die einen Therapiedurchbruch darstellen – und das ist genau die Art von Produkten, die die großen Pharmaunternehmen für ihre eigene Pipeline brauchen. Bei Big Pharma laufen mehr Patente ab als an neuen Zulassungen hinzukommt, ihre Pipelines an neuen Wirkstoffen sind inzwischen vielfach dünn geworden. Somit könnten sich in den kommenden Monaten auch bisher weniger M&A-aktive Pharmahersteller nach Zukaufsmöglichkeiten umsehen.

Absehbar werden die M&A-Aktivitäten in diesem Bereich 2018 weiter zunehmen, nicht zuletzt angesichts der zunehmenden Konzentration der großen Pharmafirmen auf wenige strategische Geschäftsfelder. Hinzu kommt der Trend zur Digita lisierung des Gesundheitswesens, auch wenn der gesamte Gesund heitssektor nur unzureichend auf die drohenden Gefahren von Cyber-Attacken vorbereitet ist.

Vor allem amerikanische Unternehmen dürften im Zuge der US-Steuerreform zunehmend Kauflust zeigen. Zudem versprechen neue Therapieformen neue Wachstums möglichkeiten: Hier spielt aktuell die Immunonkologie eine große Rolle, in diesem Bereich werden für dieses Jahr zahlreiche neue Studienergebnisse erwartet. Als besonders attraktiv gelten zudem Unternehmen, die die neuen transformativen Therapie-Ansätze wie mRNA, CAR-T und Mikrobiom verfolgen; die rund 12 Mrd. USD teure Übernahme des CAR-T Zellspezialisten Kite Pharma durch Gilead ist dafür ein gutes Beispiel. 

Nicht zuletzt zeigt dieser Fall auch, dass inzwischen mit Amgen, Biogen oder eben Gilead und anderen reife, gewinnstarke Biotechunternehmen entstanden sind, die ebenfalls teilnehmen an der Jagd nach lukrativen Übernahmezielen. Die Preisspirale könnte sich auch vor diesem Hintergrund noch eine Weile weiterdrehen.

Falk Müller-Veerse,
Managing Partner von Bryan Garnier in Deutschland


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