22.05.17

Das aktuelle Stichwort: Mediation ist besser als Scheitern (Ausgabe 5/2017)

Wer kennt das nicht: Die Parteien eines Unternehmenskaufs schwelgen nach den Erstgesprächen in Harmonie. Doch oft trügt der Schein: Die Beteiligten sehen meistens nur den vermeintlichen (eigenen) wirtschaftlichen Erfolg. Oft fehlt es an Erfahrungen über die (rechtlichen) Rahmenbedingungen eines Unternehmens(ver)kaufs. Spätestens dann, wenn die Parteien mit ihren jeweiligen Beratern „aufeinanderprallen“, entwickelt sich plötzlich Unverständnis für die Positionen der jeweils anderen Partei. Wenn dann die Berater – im vermeintlich besten Interesse der eigenen Partei – tatsächliche oder vermeintliche Risiken in den Vordergrund rücken, drohen nicht nur ein Übermaß an „billable hours“ sondern auch ein Scheitern der Verhandlungen. Solche Situationen sind vermeidbar, wenn man sich zur Prävention eines Mittels bedient, das in der Schlichtung von Streitigkeiten auch in Deutschland mehr und mehr Einzug hält: die Mediation – ein strukturiertes, freiwilliges Verfahren zur konstruktiven Beilegung eines (drohenden) Konflikts. Die Erfolgsaussichten einer Mediation sind umso größer, je weniger weit fortgeschritten ein Streit auf der vom österreichischen Ökonom Friedrich Glasl entwickelten neunstufigen Eskalationsleiter ist.

Die Eskalationsstufen finden sich auch in den Entscheidungsprozessen bei Unternehmenskäufen oder Joint Ventures. Bei einer deal mediation kann der Mediator eine neutrale Rolle übernehmen und z.B. anhand der Eckpunkte eines Unternehmenskaufvertrags die Parteien durch den Prozess führen. Seine Kernaufgabe ist es, die wahren Interessen hinter den Verhandlungspositionen herauszuarbeiten und Verständnis dafür bei der anderen Partei zu erzielen. Diese Rolle könnten M&A-Berater einnehmen, die jedoch häufig ein von einer Partei geprägtes wirtschaftliches Interesse am Ausgang der Verhandlungen haben. Nicht umsonst gibt es seit August 2012 ein Mediationsgesetz, das die Anforderungen an einen Mediator regelt: Die Parteien wählen den Mediator aus, der allen Parteien gleichermaßen verpflichtet ist. Er fördert die Kommunikation beider Seiten. Die Parteien können die Mediation jederzeit beenden (§ 2). Der Mediator wird den fachkundigen Input der Berater schätzen, um so die Interessenlagen besser verstehen und zusammenführen zu können. Vertraulichkeit und strikte Neutralität des Mediators können dann zum Erfolgsfaktor für eine gelungene Transaktion werden.

Dr. Jens-Christian Posselt
Rechtsanwalt
Of Counsel bei bdp Bormann Demant & Partner


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