„Alles wirkliche Leben ist Begegnung“

Mit meiner Emeritierung in diesem Jahr geht auch meine Zeit mit der M&A REVIEW zu Ende. Zur Sommerpause werden wir die Leitung der Zeitschrift dem Eigentümer, der GoingPublic Media AG, übergeben. 

 

In den inzwischen 27 Jahren seit der Gründung der M&A REVIEW durfte ich nicht nur erleben, wie der Wachstums- und Diversifikationsmechanismus M&A – und damit verbunden dann auch die Desinvestitionen – vom Sonderfall gewissermaßen zum Alltag in den größeren Unternehmen wurde. Zuerst sprach man bei unfreundlichen Übernahmen noch von „Barbarei“, doch selbst diese nimmt man heute zumindest in der Öffentlichkeit relativ gelassen auf. 

 

In dieser Zeit ist auch das praktische und wissenschaftliche Wissen zum Thema M&A enorm angewachsen und ausdifferenzierter geworden. Unzählige, auch interdisziplinär angelegte Fachbücher stehen inzwischen in allen Schattierungen zur Verfügung. Vermutlich kann zumindest teilweise darüber erklärt werden, dass die hohen M&A-Misserfolgsraten der 80er- und 90er-Jahre kontinuierlich reduziert werden konnten und es inzwischen sogar eine ganze Reihe höchst erfolgreicher „Serienakquisiteure“ gibt. 

 

Mit unserer M&A REVIEW haben wir versucht, einen Beitrag zur Verbreitung dieses neuen Wissens zu leisten. Damit verbunden war auch immer das Anliegen zur Professionalisierung derer beizutragen, die sich von Berufs wegen mit M&A beschäftigen. Seien dies Professionals in den M&A-Dienstleistern (Investmentbanken, M&A-Boutiquen, Law Firms et cetera) oder Mitarbeiter in den M&A-Fachabteilungen von Unternehmen. Als praxisorientierte Zeitschrift wollten wir aber nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse für die M&A-Praxis nutzbar machen, sondern auch umgekehrt bei Wissenschaftlern für mehr Praxisverständnis in Sachen M&A Sorge tragen. 

 

In diesen 27 Jahren hat sich die alltägliche Arbeit von M&A-Professionals von Grund auf geändert. Während in den 90er-Jahren die Suche nach möglichen Käuferunternehmen meist noch händisch in Form des Wälzens des dicken Hoppenstedt-Unternehmensverzeichnisses stattfand, hielten mit Firmen- und Transaktionsdatenbanken neue Informationstechnologien Einzug. Dabei bestanden Datenräume nicht mehr aus Tonnen von Papier, sondern konnten virtuell eingerichtet und genutzt werden. Diese Form der technologiegetriebenen Veränderung der Arbeitsweisen ist derzeit durch die Möglichkeiten, die die Digitalisierung der Geschäftsmodelle bietet, wieder in vollem Gange. Zuerst in der Form, dass soziale Medien auch für das Deal Sourcing genutzt wurden. Doch diese werden nun zunehmend durch auf das Deal Making spezialisierte Deal-Netzwerke, sogenannte Online Deal Sourcing-Plattformen, abgelöst, die wohl wesentliche Teile des zukünftigen und bislang doch sehr fragmentierten M&A-Geschäfts revolutionieren dürften. Durch ihre physische Grenzenlosigkeit sind sie in der Lage, Parteien miteinander in Kontakt zu bringen, die zuvor nie zueinander gefunden hätten. 

 

Doch das wohl bleibendste und bedeutsamste aus meinen M&A REVIEW-Jahren waren die unzähligen Begegnungen und Formen der Zusammenarbeit, die mir über die Zeitschrift zuteilwurden. In diesem Sinne ist auch das obige Titelzitat des Religionspsychologen Martin Buberl zu verstehen. Erst durch diese Begegnungen wurde es mir möglich, das M&A-Geschehen in seiner komplexen Gesamthaftigkeit wirklich einzuschätzen. Durch sie bekamen die Vorgänge Gesichter, Positionen konnten kritisch wie konstruktiv ausgetauscht werden, Einstellungen wurden offenbar, und viel wichtiges wechselseitiges Vertrauen wuchs über die Jahre. 

 

Ganz in diesem Sinne habe ich auch vielerorts herzlich für Mitarbeit, Unterstützung, Feedback et cetera zu danken: unseren Uni-internen MAR-Teams mit den jeweiligen Chefredakteuren und den vielen Generationen von Top-Deal-Redakteuren, unserem früheren (Handelsblatt) und heutigen (GoingPublic) Verlagspartner mit seinen Mitarbeitern, unserem professionellen Beirat, unseren treuen und kompetenten Betreuern ganzer Kolumnen, aber auch den unzähligen Autoren einzelner Beiträge und – last but not least – natürlich unseren Lesern. Mit Ihnen allen zusammen konnten wir zur ältesten M&A-Fachzeitschrift im deutschsprachigen Raum werden. Und – kaum zu glauben – einige dieser Kooperationen bestehen sogar schon seit der Gründung der M&A REVIEW! 

 

So wünsche ich mir nun, dass die M&A REVIEW noch eine lange erfolgreiche Zukunft vor sich hat, dass sie eine inspirierte Leitung er- hält, die mit neuen Ideen der Zeitschrift und ihren Lesern weiter frische Impulse gibt. Das Potenzial dazu ist vorhanden. 


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